Sebastian Kurz ist Außenminister – Leilei!

Die Ernennung von Sebastian Kurz zum Außenminister löst in Österreich erstaunlich sanfte Reaktionen aus. Diese spielen sich auf einer Palette zwischen Verwunderung und Schulterzucken ab, dazu kommt die scheinbar alles überstrahlende Tatsache, dass er lediglich 27 Jahre alt ist. Schlimmstenfalls ist es aber Verdrängung: Frischer Wind könne nicht schaden, außerdem sei Kurz sehr lernfähig und hat schon einmal positiv überrascht. Mag sein, dass die Außenwirkung eine solche ist. Was genau Kurz als Integrationsstaatsekretär getan hat, weiß sowieso kaum jemand. Doch dass es ihn im neuen Amt wahrscheinlich nicht zerlegen wird, ist nicht der besonderen Begabung dieses jungen Aufsteigers geschuldet, sondern der fast vollständig darniederliegenden österreichischen Diplomatie. Solange Kurz nicht wieder mit dem Geilomobil durch die Stadt fährt, kann seine Performance unmöglich noch schlechter werden, als die seines Vorgängers Michael Spindelegger.

Gusenbauerismus
Nun ist ja in den letzten Tagen so einiges passiert: Die SPÖ hat sich mal wieder von der ÖVP über den Tisch ziehen lassen und ihr wenig überraschend alle wesentlichen Ministerien überlassen. Seit Gusenbauer regiert in junger sozialdemokratischer Tradition die ÖVP mehr oder weniger alleine und die SPÖ macht den Pressesprecher in Form des Bundeskanzlers. Spannender ist da schon das Bekenntnis zum Wissenschaftsstandort Österreich, bekannt aus dem Wahlkampf und dem Koalitionspapier der neuen Regierung, das sich am glaubwürdigsten in der Eingliederung des ehemals selbstständigen Wissenschaftsministeriums in das Wirtschaftsministerium zeigte. Das alles und weitere Späße aus dem selben skurrilen Buch haben wahrscheinlich ein bisschen dazu beigetragen, dass es auch den meisten Beobachtern wurscht ist, wer das abgewrackte Sinnlos-Ministerium des Äußeren übernimmt.

Who the fuck is Austria anyway?
Vorbei sind nämlich die Zeiten der großen Blöcke, in deren Mitte sich Österreich als Vermittler darstellen konnte. Natürlich war das auch damals nur Fassade: die einzigen, die nicht merken, dass Österreich überhaupt nicht neutral ist, sind seit jeher die Österreicher selbst. Nachbarländer, deren Zerfall man aktiv unterstützen könnte, gibt es auch keine mehr und die alten Nazis sind alle schon so alt, dass sie nicht mehr aus Trotz in höchste Ämter gewählt werden können. Seit dem Beitritt zur EU waren die Sanktionen aufgrund der Freiheitlichen und der Skandal rund um das Fußball-Länderspiel gegen Israel wahrscheinlich die wichtigsten Ereignisse österreichischer Außenbeziehungen – ausgelöst durch die Reiter der Apokalypse: Schüssel, Haider und ÖFB. Danach dauerte es lange, bis der übereilte Abzug der Blauhelme von den Golan-Höhen letztendlich die Kirsche auf dem Sahnehäubchen der Peinlichkeit wurde. Die Gespräche mit dem Iran deuten auf neues Gewicht Wiens hin, finden jedoch eher trotz, als wegen des internationalen Standings Österreichs statt.

Adabei-Integration
Kurz kann kaum etwas falsch machen und da Kritik und Spott in ausländischen Medien aufflammen, steht uns wahrscheinlich zu allem Überfluss auch noch ein nationaler Schulterschluss bevor. Unser Sebastian kann jedenfalls bis zur nächsten Wahl in Ruhe seine Sporen verdienen. Dafür muss er sich im Dienste der „Integration“ nur weiterhin regelmäßig vor geladener Presse mit wohlhabenden migrationshintergründigen Adabeis treffen, während seine Parteifreundin Flüchtlinge in Diktaturen und Bürgerkriege abschieben lässt. Auch ist er sicher schlau genug, im Zweifel einfach nichts zu tun, um den Mangel brauchbarer Skills nicht zu offenbaren. Während Diplomaten nämlich hoch gebildet, sehr gut ausgebildet und beispielsweise fließend mehrsprachig sein müssen, ist die Qualifikation ihres neuen Chefs laut Vizekanzler Spindelegger vor allem jene, dass er sehr gut dazulernen kann. Auch dieser Mann wird uns in den nächsten Jahren durch die anstehenden richtungsweisenden Debatten innerhalb der EU führen. Dann kann ja nichts schief gehen, oder?

 

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