Sich grün und schwarz ärgern…

…könnt‘, wer in diesen Tagen die Diskussion rund um die Absage des Hinichen-Konzerts verfolgt. Der wirklich und bewusst derbe Humor hat den grünen Kultursprecher Lobo (oder eine seiner politischen Freundinnen) derart auf die Palme gebracht, dass ihm nichts Anderes blieb, als zum Telefon zu greifen und ein bisschen Erpressung zu spielen. In seinen Worten heißt das, er habe den Veranstalter an die Subventionsvereinbarung erinnert. Für mich heißt das, die Verantwortlichen mögen das Konzert absagen, sonst ist ein Gutteil ihrer Existenzgrundlage weg. Und das ist Erpressung.

Dabei tut es auch nichts zur Sache, dass Stadträtin Sandra Frauenberger die Absage eines Hinichen-Konzerts schon 2008 befürwortet hatte. Das ist auch dieselbe Frau, die dafür sorgte, dass die Prostituierten Wiens in die menschenleeren und somit schutzlosen Zonen vertrieben wurden, zu ihrer eigenen Sicherheit. Ha. Und es tut auch nichts zur Sache, wie Corinna Milborn, den Text des Liedes „Wir mischen auf im Frauenhaus“ zu posten und dann „Gewaltaufruf“ zu schreien. Das ist schlicht Blödsinn. Die Derbheit der Texte ist schließlich Konzept und nicht Geheimnis, wie immer das auch gefunden wird.

Allerdings hat sich Klaus-Werner Lobo mit den Hinichen vor seinem „Engagement“ auch nie auseinandergesetzt, sondern vielmehr in Kleinkindmanier zu verstehen gegeben, dass man das bei solchen Texten auch nicht müsse. In logischer Konsequenz (meinerseits) müsse man sich dann aber auch nicht für deren Auftrittsverbot einsetzen. 

Der Fall um das Sizzla-Konzert im März 2012 war ähnlich gelagert, wurde aber zu einem anderen Abschluss gebracht. Hier intervenierte der grüne Bundesrat Marco Schreuder mittels offenem Brief an BurnFireSquad, den Veranstalter des geplanten Konzerts. Damals ging es um die sogenannten Battyman-Tunes (schwulenfeindliche Lieder, die teils auch Mordaufrufe beinhalten) und gewaltverherrlichende Texte. Dem Vertrag mit Sizzlas Booking wurde daraufhin ein Punkt hinzugefügt, demnach Sizzla kein Honorar erhalte, sollten derartige Lieder auf dem Konzert gespielt werden und es fand statt. Natürlich wird auch hier in die künstlerische Freiheit eingegriffen, es ist ein Kompromiss. Einer, der vor allem einem Rechnung trägt: Den (natürlich berechtigten) Gefühlen von Menschen, die ohnehin nie auf dieses Konzert gegangen wären. Denn Fakt ist, auch wenn Sizzla tanzbare Musik macht, er ist ein schwulenfeindlicher Idiot. Und das sollte man auch über ihn wissen. Da ich mich auch bei diesem Konzert, erwachsen und mündig, entschieden habe, nicht hinzugehen, kann ich leider nicht sagen, ob er sich tatsächlich an die Vereinbarung gehalten hat. Sicher ist aber: Hat er es getan, haben die Leute Sizzla zensiert und aalglatt erlebt. Wer nur mal so hinschaut, um zu sehen, was denn an den Vorwürfen dran ist, ist vermutlich nicht fündig geworden. Wer zum ersten Mal dort war, findet den Künstler wahrscheinlich auch ganz toll.

Was gewaltbeinhaltende Texte betrifft, kann ich mich noch immer nicht mit Verboten arrangieren. Ich halte extreme, übertriebene Gewalt in Liedtexten für ein Stilmittel (auch, wenn Eminem in „Kim“ seine Frau umbringt). Wie gut dieses Stilmittel ist, darüber kann man natürlich streiten. Aber unterliegt denn die Wahl der Mittel nicht auch der Freiheit der Kunst?

Doch all das führt ohnehin viel zu weit weg vom eigentlichen Thema, denn Klaus Werner-Lobo ist kein Zensur-Vorwurf zu machen. Man kann ihm lediglich ein bisschen Unwissenheit und eine Doppelmoral, angesichts vieler anderer Bands, deren Konzerte in den selben Häusern wohl aus Bekanntheitsgründen nicht abgesagt werden. Anfangs wollte ich ja eine derartige Liste anfügen und die wäre lang geworden, ich schwör‘! Leider bin ich mir nicht sicher, ob das nicht zu weiteren Absagen geführt hätte. Insofern: Bitte, recherchier‘ selber, Klaus!

Zu guter Letzt komme ich auch nochmal auf Corinna Milborns Blogeintrag zurück. Hätte man statt „Fotzen“ „Neger“ geschrieben, wäre die Aufregung auch nur bei denen groß, die sich für Bands immer nur dann interessieren, wenn’s was zu verbieten gibt. (Übrigens: B-Tight – Der Nega) Und hier wieder die Mimimi-Tour einzuschlagen à la „Für Sexismus interessiert sich niemand, für Rassismus schon“, ist gelinde gesagt kontraproduktiv. Oder wollen wir uns drüber streiten, ob es schlimmer ist Frauen oder Schwarze zu hassen und was, wenn die Frau auch noch afroamerikanischer Abstammung ist?

Eine Spitzenidee dazu liefert auch der sonst so geschätzte Robert Misik: Die Hinichen auftreten zu lassen und wegen einer (angeblich unpassenden) Band, einem der wichtigsten Veranstaltungsorte Wiens die Subvention komplett zu streichen, zeugt auch eher von Unwissenheit als wohlüberlegtem Vorschlag.  Die Wiener Eventszene würd‘ sich schön bedanken. Mit einem hat er allerdings völlig recht: Es gibt keine letztinstanzliche Entscheidung über Kunst und darum steht es Klaus Werner-Lobo  auch nicht zu, eine solche zu treffen. Die erzwungene Absage erscheint in diesem Licht vorschnell und unüberlegt.

Zu verbieten, was nicht gefällt, wird bei (vielen) Grünen seit Eva Glawischnigs Antritt langsam salonfähig (siehe Tschikkautomaten). Dabei versucht man vermutlich die mittlerweile herren- und ziellos umher irrenden schwarzen Schäfchen einzusammeln, die die neuen Entwicklungen durchaus sympathisch finden. Mich hingegen stößt diese Entwicklung wirklich ab. Die Bundesliste bringt mich zum Verzweifeln. Das Restangebot zum Weinen.

Nachtrag
Übrigens kennen das vielleicht doch einige aus ihrer Jugendzeit: Die Hinichen | Jeder Kiwara

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