Who let the dog out?

Vermutlich wurden dem jüngsten Eklat im ORF – „Watschn für Heinzl“ – schon reichlich Zeilen gewidmet. Und wahrscheinlich war vieles davon überflüssig, wie so oft. Weil’s also eh schon quasi wurscht ist, man mehr oder weniger nicht dran vorbeikommt – weder in den üblichen Medien noch in den sozialen Netzwerken – reden wir darüber:

Medienberichten (und diversen You-Tube-Videos) zufolge, kam es nach der letzten Live-Show des ORF-Casting-Formats „Die große Chance“ am 19.10.2012 zu einer Auseinandersetzung zwischen Dominik Heinzl und Paul Hartmut Würdig, besser bekannt als Sido. Vorangegangenen Querelen folgend hatte er Heinzl während der Sendung als „Dominik Hampel-oder-wie-der-heißt“ bezeichnet. Nach der Show kam es zum Wortgefecht, bei dem Sido – bitte nicht nachmachen – folgendes zum Besten gab: „Zum Glück bist du so alt, dass deine Mutter nicht mehr lebt, du Hurensohn!“ Irgendwer – Heinzl – spuckt und es setzt eine Detschn – von Sido für Dominik, der sich in ganz passabler Stuntman-Manier abrollt. Der ORF feuert Sido, Sido entschuldigt sich, Heinzl verliert seine Sendung. „Natürlich besteht kein zeitlicher Zusammenhang mit der Attacke von Sido auf Heinzl“, betont man aus ORF-Kreisen gegenüber dem Kurier (21.10.2012: „Chili“ verschwindet vom Bildschirm).

Das glaub‘ ich sogar. Dominik Heinzl hat in seinem fast dreijährigem Wirken im Vorabendprogramm des ORF bestimmt ausreichend Antipathien generiert, um sich seinen bequemen, öffentlich-rechtlichen Ast selbst abzusägen. Hier stellt sich nicht die Frage nach dem Zusammenhang mit Sidos Detschn. Wenn einem da etwas sauer aufstößt, sollte es die Tatsache sein, dass sich Heinzls 25-köpfige Produktionsfirma einzig durch die Produktion der sogenannten „Society“-Sendung „Chili“ erhalten kann und der ORF nun händeringend nach einer alternativen Beschäftigung für eben diese sucht.

Logisch ist auch Sidos Rauswurf: Kein Sender, privat oder staatlich kann sich ein unerzogenes Kind leisten. Das klassische Enfant terrible ist einfach nichts fürs alltägliche Fernsehgeschäft. Als Sido sich von der Nervensäge der Nation derart provozieren ließ, dass er mit über 30 anderer Mütter Kinder als Hurensöhne bezeichnete und handgreiflich wurde, deklarierte er sich eher als Fall für die Supernanny als für eine Familiensendung im Hauptabendprogramm. Der Image-Wechsel vom subversiven Ghettokid zum Vertrags-B-Promi scheint eher oberflächlich vollzogen, wenn es bloß ein bisschen triggering braucht, um die Bulldogge scharf zu machen. Müßig zu sagen, dass ihn die Anwendung körperlicher „Gewalt“ ausnahmslos disqualifiziert. Ich habe hier bewusst Anführungszeichen eingesetzt, denn die Wahrheit ist, diese „Auseinandersetzung“ ist ganz großes Kino:

Man kann guten Gewissens sagen, dass sich der Schaden in Grenzen hält. Dominik Heinzl hat sich in Windeseile erholt und seine „Erfahrung“ auch schon in einem „Chili“-Beitrag vom 20.12.2012 verarbeitet. Ein gefundenes Fressen für einen, dessen Geltungsbedürfnis etwas Manisches hat. Aber Herr Heinzl, Leute anspucken, zeugt auch nicht von bester Kinderstube.

Dass Sido sich gezwungen fühlt (sei’s von der Situation oder seiner PR-Beratung) sich mittels Anti-Gewalt-Statement zu entschuldigen, nicht weil sich das so gehört, sondern weil eine Seite wie diese innerhalb kürzester Zeit über 70 000 Likes generiert, ist dann doch etwas übertrieben. Das mache ihm Sorgen. Nun, lieber Sido, sei unbesorgt. Ich glaube nicht, dass Deine Fans gewaltbereiter oder -verherrlichender als die von, na, sagen wir mal Azad (höhö), sind. Sie sind bloß schadenfroh. Schadenfroh, weil der metrosexuelle Hampel bei der Detschn plötzlich nicht mehr süffisant in die Kamera gegrinst hat. Schadenfroh, weil Sido dafür gesorgt hat, dass dieser „pain in the ass“ wenigstens ein paar Momente nichts zu sagen wusste. Schadenfroh, weil Heinzl ganz Dramaqueen gefallen ist, als hätte ihn ein Elbow-Smash getroffen. Schadenfroh, weil sich vermutlich jede/r zweite/r Österreicher/in seit Anbeginn seiner Karriere fragt, wann ihm denn wohl endlich jemand aufs Maul haut.

Hätte Sido einem 13jährigen Kandidaten, einem Kameramann, einer Visagistin – kurzum, beinahe JEDEM außer Heinzl eine aufglegt, hielten sich die positiven Reaktionen vermutlich sehr in Grenzen.

Nachtrag:
Hätte mich die widerwärtige Schmalzrede, die Sido zur Wiederaufnahme bei DGC hielt, nicht derart abgestoßen, ich könnte seitenlange Schimpftiraden über die Inkonsequenz des ORF schreiben. So schüttel ich einfach nur den Kopf, bis mir schwindlig wird. 

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